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Der Begriff "Sache" im BGB

In dieser Lektion lernst du die rechtliche Definition des Begriffs „Sache“ gemäß § 90 BGB sowie deren Bedeutung für Tatbestände wie Diebstahl und Sachbeschädigung kennen. Dieses fundierte Wissen bereitet dich optimal auf die prüfungsrelevanten Rechtsgrundlagen des Bürgerlichen Gesetzbuches für die §34a Sachkundeprüfung vor.

Lektion 43: Der Begriff "Sache" im BGB

Lernziele: Du weißt, was im rechtlichen Sinne eine "Sache" ist (und was nicht). Das ist wichtig für Diebstahl und Sachbeschädigung.

Kerninhalt

Wir schützen oft Sachen. Aber was ist das?

Definition § 90 BGB

"Sachen im Sinne des Gesetzes sind nur körperliche Gegenstände."

Das bedeutet, man muss sie theoretisch anfassen können (fest, flüssig oder gasförmig in Behältern).

  • Sachen: Auto, Haus, Wasser in der Flasche, Stromkabel (der Draht).
  • KEINE Sachen: Ideen, Strom (die Energie selbst), Rechte, Computerprogramme (Software), das Internet.

Tiere (§ 90a BGB)

"Tiere sind keine Sachen." Klingt gut, ABER: "Sie werden durch besondere Gesetze geschützt. Auf sie sind die für Sachen geltenden Vorschriften entsprechend anzuwenden..." Das heißt:

  • Im Tierschutzgesetz sind sie Lebewesen.
  • Im BGB (z.B. Kaufvertrag, Schadenersatz) werden sie behandelt WIE Sachen. Wenn du einen Hund kaufst, schließt du einen "Kaufvertrag über eine Sache". Wenn du einen Hund verletzt, ist es (im Zivilrecht) "Sachbeschädigung".

Begriffserklärungen

BegriffErklärung
Körperlicher GegenstandAlles was Raum einnimmt (Aggregatzustand fest, flüssig, gasförmig).
Bewegliche SacheAlles, was nicht Grundstück oder Haus ist (kann fortbewegt werden). Wichtig für Diebstahl (man kann nur bewegliche Sachen klauen).

Praxisbeispiel

Situation:

  1. Jemand klaut "Strom" indem er ein Kabel anzapft.
  2. Jemand klaut eine Flasche Cola.

Analyse:

  1. Strom ist keine Sache (§ 90 BGB). Daher ist es kein klassischer Diebstahl (§ 242 StGB), sondern "Entziehung elektrischer Energie" (§ 248c StGB - Sondergesetz).
  2. Die Cola (Flüssigkeit + Flasche) ist ein körperlicher Gegenstand -> Sache -> Diebstahl möglich.

Zusammenfassung

  • ✅ Sachen sind körperliche Gegenstände (§ 90 BGB).
  • ✅ Tiere sind keine Sachen, werden aber im Zivilrecht wie Sachen behandelt (§ 90a BGB).
  • ✅ Elektrische Energie ist keine Sache.

Prüfungsfragen zu diesem Thema

Teste dein Wissen – richtige Antworten sind grün markiert.

Prüfungsfrage 1

Wann bzw. wodurch beginnt die Rechtsfähigkeit eines natürlichen Menschen?

  • A)Mit der Zeugung.
  • B)Mit Vollendung des 18. Lebensjahres.
  • C)Mit der Taufe.
  • D)Mit der Namensgebung.
  • E)Mit dem vollständigen Austritt aus dem Mutterleib (Vollendung der Geburt).
  • F)Bereits mit dem ersten Herzschlag im Mutterleib.
iErklärung

In der Rechtskunde ist es entscheidend, den Begriff der Rechtsfähigkeit korrekt einzuordnen. Gemäß § 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) beginnt die Rechtsfähigkeit eines Menschen mit der Vollendung der Geburt. Das bedeutet rechtlich gesehen: Sobald ein Kind vollständig aus dem Mutterleib ausgetreten ist und lebt, ist es eine natürliche Person und damit Träger von Rechten und Pflichten.

Warum ist das wichtig? Ein neugeborenes Baby kann bereits Eigentümer eines Grundstücks sein oder ein Vermögen erben. Es hat also Rechte. Die Rechtsfähigkeit ist völlig unabhängig vom Alter, der geistigen Verfassung oder der Staatsangehörigkeit. Sie endet erst mit dem Tod des Menschen.

Abgrenzung zur Geschäftsfähigkeit: Oft wird die Rechtsfähigkeit mit der Geschäftsfähigkeit verwechselt. Während die Rechtsfähigkeit jedem Menschen ab der Geburt zusteht, beginnt die volle Geschäftsfähigkeit (die Fähigkeit, Verträge selbstständig wirksam abzuschließen) erst mit der Vollendung des 18. Lebensjahres (§ 2 BGB).

Analyse der falschen Antworten:

  • A (Zeugung) & F (Herzschlag): Zwar genießt das ungeborene Leben (nasciturus) bereits einen gewissen Schutz (z.B. im Erbrecht oder durch das Grundgesetz Art. 2 GG), die volle Rechtsfähigkeit im Sinne des Privatrechts tritt jedoch erst mit der Trennung vom Mutterleib ein.
  • B (18. Lebensjahr): Hier beginnt die volle Geschäftsfähigkeit, nicht die Rechtsfähigkeit. Ein Kind wäre sonst bis zum 18. Lebensjahr rechtlos, was nicht der Fall ist.
  • C (Taufe) & D (Namensgebung): Dies sind entweder religiöse Rituale oder verwaltungsrechtliche Akte, die keinen Einfluss auf den gesetzlichen Beginn der Rechtsfähigkeit nach dem BGB haben.

Prüfungsfrage 2

Worin unterscheidet sich das BGB grundsätzlich vom StGB?

  • A)StGB ist für Firmen, BGB für Privatleute.
  • B)BGB regelt Verhältnisse der Bürger untereinander (Gleichordnung).
  • C)StGB regelt Schadensersatz.
  • D)BGB kennt keine Gesetze.
  • E)Es gibt keinen Unterschied.
  • F)BGB ist Bundesrecht, StGB ist Landesrecht.
iErklärung

Der entscheidende Unterschied zwischen dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) und dem Strafgesetzbuch (StGB) liegt in der Art der Rechtsbeziehung. Das BGB gehört zum Privatrecht. Hier stehen sich die Bürger auf Augenhöhe gegenüber. Man nennt dies das Prinzip der Gleichordnung. Wenn Sie beispielsweise einen Kaufvertrag abschließen oder eine Wohnung mieten, regelt das BGB, welche Rechte und Pflichten Sie und Ihr Vertragspartner haben. Es geht im BGB primär um den Ausgleich von Interessen und den Ersatz von Schäden (z. B. Schadensersatz gemäß § 823 BGB).

Das StGB hingegen gehört zum Öffentlichen Recht (speziell zum Strafrecht). Hier besteht ein Verhältnis der Über- und Unterordnung: Der Staat tritt dem Bürger gegenüber. Wenn jemand eine Straftat begeht (z. B. Diebstahl oder Körperverletzung), greift der Staat ein, um die Tat zu sühnen und die Rechtsordnung zu schützen. Hier geht es nicht um einen Vertrag, sondern um Strafe (Geldstrafe oder Freiheitsstrafe).

Warum sind die anderen Antworten falsch?

  • Antwort A: Das StGB gilt für alle Menschen (natürliche Personen), nicht nur für Firmen. Tatsächlich können Firmen im strafrechtlichen Sinne gar nicht „eingesperrt“ werden, bestraft werden immer die handelnden Personen.
  • Antwort C: Schadensersatz ist eine typische Regelung des BGB (z. B. §§ 249 ff. BGB). Das StGB regelt die Bestrafung von Tätern, nicht primär die Wiedergutmachung des zivilen Schadens.
  • Antwort D: Das BGB ist eines der umfangreichsten Gesetzbücher Deutschlands und besteht aus über 2.300 Paragrafen.
  • Antwort E: Es gibt einen fundamentalen Unterschied: Privatrecht (BGB) vs. Öffentliches Recht (StGB).
  • Antwort F: Sowohl das BGB als auch das StGB sind Bundesgesetze, die für ganz Deutschland einheitlich gelten. Es gibt hier keinen Unterschied zwischen Bundes- und Landesrecht.

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