Notwehr § 227 BGB
Lektion 49: Notwehr § 227 BGB
Lernziele: Du kannst die Notwehr im Schlaf definieren und prüfen. Das ist das absolute "Muss-Thema".
Kerninhalt
Wir schauen uns die Notwehr im Zivilrecht (§ 227 BGB) an. Sie ist fast wortgleich mit dem Strafrecht (§ 32 StGB). "Notwehr ist diejenige Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden."
Die Prüfungsschritte (Die Notwehrlage)

- Angriff: Jede Bedrohung von rechtlich geschützten Interessen (Leben, Eigentum, Ehre...) durch einen Menschen.
- Achtung: Angriff von einem Tier ist KEINE Notwehr (sondern Notstand, siehe nächste Lektion), außer der Hund wird gehetzt (dann ist der Mensch der Angreifer).
- Gegenwärtig: Der Angriff passiert jetzt gerade, steht unmittelbar bevor oder dauert noch an.
- Zu spät: Wenn der Dieb schon weg ist oder der Schläger aufgehört hat -> Keine Notwehr mehr! (Rache ist verboten).
- Rechtswidrig: Der Angreifer hat kein Recht dazu (ein Polizist, der dich festnimmt, handelt rechtmäßig -> Gegen ihn gibt es keine Notwehr).
Die Verteidigungshandlung
Wenn die Lage (1-3) stimmt, darfst du dich wehren. Aber wie?
- Erforderlichkeit: Du musst das mildeste Mittel wählen, das den Angriff sicher und sofort beendet.
- Du musst nicht weglaufen ("Recht muss dem Unrecht nicht weichen").
- Aber du darfst nicht schießen, wenn schubsen reicht.
- Gebotenheit: Es darf nicht "krass unpassend" sein.
- Beispiel: Kirschendieb im Rollstuhl erschießen -> Notwehr (-), weil "sozialethisch eingeschränkt".
Nothilfe
Wenn du nicht dich, sondern einen anderen verteidigst, heißt das Nothilfe. Das ist das Gleiche wie Notwehr, nur für Dritte. (Du hilfst dem Opfer).
Wichtig: Bei Notwehr musst du NICHT prüfen "Ist sein Leben mehr wert als mein Eigentum?". Grundsätzlich gilt: Du darfst dein Eigentum auch mit Gewalt verteidigen. (Ausnahme: krasses Missverhältnis wie beim Kirschendieb).
Praxisbeispiel
Situation: Ein Gast zieht ein Messer und rennt auf dich zu ("Ich stech dich ab!").
Prüfung:
- Angriff durch Mensch? Ja.
- Gegenwärtig? Ja (er rennt gerade).
- Rechtswidrig? Ja.
Handlung: Du schlägst ihm mit dem Schlagstock auf den Arm. War das erforderlich? Ja, Messer ist tödlich. War das geboten? Ja. Ergebnis: Du bist gerechtfertigt. Du musst keinen Schadenersatz zahlen (§ 227 BGB) und wirst nicht bestraft (§ 32 StGB).
Zusammenfassung
- ✅ Notwehr = Verteidigung gegen Menschen.
- ✅ Muss gegenwärtig und rechtswidrig sein.
- ✅ Das "mildeste Mittel" muss gewählt werden (Erforderlichkeit).
- ✅ Nothilfe ist Notwehr für andere.
Prüfungsfragen zu diesem Thema
Teste dein Wissen – richtige Antworten sind grün markiert.
Prüfungsfrage 1
Wann bzw. wodurch beginnt die Rechtsfähigkeit eines natürlichen Menschen?
- A)Mit der Zeugung.
- B)Mit Vollendung des 18. Lebensjahres.
- C)Mit der Taufe.
- D)Mit der Namensgebung.
- E)Mit dem vollständigen Austritt aus dem Mutterleib (Vollendung der Geburt).
- F)Bereits mit dem ersten Herzschlag im Mutterleib.
In der Rechtskunde ist es entscheidend, den Begriff der Rechtsfähigkeit korrekt einzuordnen. Gemäß § 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) beginnt die Rechtsfähigkeit eines Menschen mit der Vollendung der Geburt. Das bedeutet rechtlich gesehen: Sobald ein Kind vollständig aus dem Mutterleib ausgetreten ist und lebt, ist es eine natürliche Person und damit Träger von Rechten und Pflichten.
Warum ist das wichtig? Ein neugeborenes Baby kann bereits Eigentümer eines Grundstücks sein oder ein Vermögen erben. Es hat also Rechte. Die Rechtsfähigkeit ist völlig unabhängig vom Alter, der geistigen Verfassung oder der Staatsangehörigkeit. Sie endet erst mit dem Tod des Menschen.
Abgrenzung zur Geschäftsfähigkeit: Oft wird die Rechtsfähigkeit mit der Geschäftsfähigkeit verwechselt. Während die Rechtsfähigkeit jedem Menschen ab der Geburt zusteht, beginnt die volle Geschäftsfähigkeit (die Fähigkeit, Verträge selbstständig wirksam abzuschließen) erst mit der Vollendung des 18. Lebensjahres (§ 2 BGB).
Analyse der falschen Antworten:
- A (Zeugung) & F (Herzschlag): Zwar genießt das ungeborene Leben (nasciturus) bereits einen gewissen Schutz (z.B. im Erbrecht oder durch das Grundgesetz Art. 2 GG), die volle Rechtsfähigkeit im Sinne des Privatrechts tritt jedoch erst mit der Trennung vom Mutterleib ein.
- B (18. Lebensjahr): Hier beginnt die volle Geschäftsfähigkeit, nicht die Rechtsfähigkeit. Ein Kind wäre sonst bis zum 18. Lebensjahr rechtlos, was nicht der Fall ist.
- C (Taufe) & D (Namensgebung): Dies sind entweder religiöse Rituale oder verwaltungsrechtliche Akte, die keinen Einfluss auf den gesetzlichen Beginn der Rechtsfähigkeit nach dem BGB haben.
Prüfungsfrage 2
Worin unterscheidet sich das BGB grundsätzlich vom StGB?
- A)StGB ist für Firmen, BGB für Privatleute.
- B)BGB regelt Verhältnisse der Bürger untereinander (Gleichordnung).
- C)StGB regelt Schadensersatz.
- D)BGB kennt keine Gesetze.
- E)Es gibt keinen Unterschied.
- F)BGB ist Bundesrecht, StGB ist Landesrecht.
Der entscheidende Unterschied zwischen dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) und dem Strafgesetzbuch (StGB) liegt in der Art der Rechtsbeziehung. Das BGB gehört zum Privatrecht. Hier stehen sich die Bürger auf Augenhöhe gegenüber. Man nennt dies das Prinzip der Gleichordnung. Wenn Sie beispielsweise einen Kaufvertrag abschließen oder eine Wohnung mieten, regelt das BGB, welche Rechte und Pflichten Sie und Ihr Vertragspartner haben. Es geht im BGB primär um den Ausgleich von Interessen und den Ersatz von Schäden (z. B. Schadensersatz gemäß § 823 BGB).
Das StGB hingegen gehört zum Öffentlichen Recht (speziell zum Strafrecht). Hier besteht ein Verhältnis der Über- und Unterordnung: Der Staat tritt dem Bürger gegenüber. Wenn jemand eine Straftat begeht (z. B. Diebstahl oder Körperverletzung), greift der Staat ein, um die Tat zu sühnen und die Rechtsordnung zu schützen. Hier geht es nicht um einen Vertrag, sondern um Strafe (Geldstrafe oder Freiheitsstrafe).
Warum sind die anderen Antworten falsch?
- Antwort A: Das StGB gilt für alle Menschen (natürliche Personen), nicht nur für Firmen. Tatsächlich können Firmen im strafrechtlichen Sinne gar nicht „eingesperrt“ werden, bestraft werden immer die handelnden Personen.
- Antwort C: Schadensersatz ist eine typische Regelung des BGB (z. B. §§ 249 ff. BGB). Das StGB regelt die Bestrafung von Tätern, nicht primär die Wiedergutmachung des zivilen Schadens.
- Antwort D: Das BGB ist eines der umfangreichsten Gesetzbücher Deutschlands und besteht aus über 2.300 Paragrafen.
- Antwort E: Es gibt einen fundamentalen Unterschied: Privatrecht (BGB) vs. Öffentliches Recht (StGB).
- Antwort F: Sowohl das BGB als auch das StGB sind Bundesgesetze, die für ganz Deutschland einheitlich gelten. Es gibt hier keinen Unterschied zwischen Bundes- und Landesrecht.
Diese Lektion in der App durcharbeiten
Mit interaktiven Fragen, Fortschrittsanzeige und Prüfungssimulation. Basis-Zugang gratis.
Jetzt in der App lernenWeitere Lektionen in Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
Bereit, die §34a-Prüfung zu bestehen?
Basis-Zugang gratis. Einfach loslegen.
Jetzt starten