Prüfschema nach § 823 BGB
Lektion 47: Prüfschema nach § 823 BGB
Lernziele: Du kannst einen Schadensfall strukturiert prüfen ("Subsumtion").
Kerninhalt
In der Theorie haben wir die 4 Punkte (Rechtsgut, Handlung, Rechtswidrigkeit, Verschulden) gelernt. Jetzt üben wir das Schema, wie es im Kopf eines Richters (oder Prüfers) abläuft.
Der Fall: "Der teure Teppich"
Ein Gast verschüttet Rotwein auf den teuren Teppich im Hotel. Der Gast war nüchtern, ist aber über seine eigenen Füße gestolpert. Schaden: 500 €.
Die Prüfung (4-Schritte-Check)

-
Rechtsgutverletzung?
- Wurde eines der geschützten Güter (Leben, Körper, Eigentum...) verletzt?
- Antwort: Ja, das Eigentum des Hotels (Teppich) wurde beschädigt.
-
Verletzungshandlung?
- Hat der Gast etwas getan (oder pflichtwidrig unterlassen)?
- Antwort: Ja, er ist gelaufen und gestolpert (= Handlung).
-
Rechtswidrigkeit?
- Hatte er einen Grund, das zu tun (Rechtfertigungsgrund)? War es Notwehr?
- Antwort: Nein, es gab keinen Grund. Es war rechtswidrig.
-
Verschulden?
- Hat er es extra gemacht (Vorsatz) oder nicht aufgepasst (Fahrlässigkeit)?
- Antwort: Er ist gestolpert. Wer aufpasst, stolpert meist nicht. Also Fahrlässigkeit.
Ergebnis
Alle 4 Punkte sind "Ja". -> Der Gast ist zum Schadenersatz verpflichtet. Er muss die Reinigung oder den neuen Teppich bezahlen.
Gegenbeispiel: "Die Notwehr"
Gleicher Fall, aber der Gast wird von einem anderen Gast geschubst und lässt das Glas fallen.
- Rechtsgutverletzung? Ja (Teppich).
- Handlung? Ja (Fallenlassen).
- Rechtswidrigkeit? Nein! Er wurde geschubst (Notwehrsituation bzw. keine freiwillige Handlung). -> Kein Schadenersatz vom Gast (aber vom Schubser!).
Begriffserklärungen
| Begriff | Erklärung |
|---|---|
| Subsumtion | Das Einordnen eines Sachverhalts unter eine Rechtsnorm (Prüfen, ob der Fall zum Gesetz passt). |
| Kausalität | Der Zusammenhang zwischen Handlung und Schaden (Ursache und Wirkung). |
Zusammenfassung
- ✅ Prüfe immer die Reihenfolge: Rechtsgut -> Handlung -> Rechtswidrigkeit -> Verschulden.
- ✅ Wenn ein Punkt fehlt, gibt es keinen Schadenersatz.
Prüfungsfragen zu diesem Thema
Teste dein Wissen – richtige Antworten sind grün markiert.
Prüfungsfrage 1
Wann bzw. wodurch beginnt die Rechtsfähigkeit eines natürlichen Menschen?
- A)Mit der Zeugung.
- B)Mit Vollendung des 18. Lebensjahres.
- C)Mit der Taufe.
- D)Mit der Namensgebung.
- E)Mit dem vollständigen Austritt aus dem Mutterleib (Vollendung der Geburt).
- F)Bereits mit dem ersten Herzschlag im Mutterleib.
In der Rechtskunde ist es entscheidend, den Begriff der Rechtsfähigkeit korrekt einzuordnen. Gemäß § 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) beginnt die Rechtsfähigkeit eines Menschen mit der Vollendung der Geburt. Das bedeutet rechtlich gesehen: Sobald ein Kind vollständig aus dem Mutterleib ausgetreten ist und lebt, ist es eine natürliche Person und damit Träger von Rechten und Pflichten.
Warum ist das wichtig? Ein neugeborenes Baby kann bereits Eigentümer eines Grundstücks sein oder ein Vermögen erben. Es hat also Rechte. Die Rechtsfähigkeit ist völlig unabhängig vom Alter, der geistigen Verfassung oder der Staatsangehörigkeit. Sie endet erst mit dem Tod des Menschen.
Abgrenzung zur Geschäftsfähigkeit: Oft wird die Rechtsfähigkeit mit der Geschäftsfähigkeit verwechselt. Während die Rechtsfähigkeit jedem Menschen ab der Geburt zusteht, beginnt die volle Geschäftsfähigkeit (die Fähigkeit, Verträge selbstständig wirksam abzuschließen) erst mit der Vollendung des 18. Lebensjahres (§ 2 BGB).
Analyse der falschen Antworten:
- A (Zeugung) & F (Herzschlag): Zwar genießt das ungeborene Leben (nasciturus) bereits einen gewissen Schutz (z.B. im Erbrecht oder durch das Grundgesetz Art. 2 GG), die volle Rechtsfähigkeit im Sinne des Privatrechts tritt jedoch erst mit der Trennung vom Mutterleib ein.
- B (18. Lebensjahr): Hier beginnt die volle Geschäftsfähigkeit, nicht die Rechtsfähigkeit. Ein Kind wäre sonst bis zum 18. Lebensjahr rechtlos, was nicht der Fall ist.
- C (Taufe) & D (Namensgebung): Dies sind entweder religiöse Rituale oder verwaltungsrechtliche Akte, die keinen Einfluss auf den gesetzlichen Beginn der Rechtsfähigkeit nach dem BGB haben.
Prüfungsfrage 2
Worin unterscheidet sich das BGB grundsätzlich vom StGB?
- A)StGB ist für Firmen, BGB für Privatleute.
- B)BGB regelt Verhältnisse der Bürger untereinander (Gleichordnung).
- C)StGB regelt Schadensersatz.
- D)BGB kennt keine Gesetze.
- E)Es gibt keinen Unterschied.
- F)BGB ist Bundesrecht, StGB ist Landesrecht.
Der entscheidende Unterschied zwischen dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) und dem Strafgesetzbuch (StGB) liegt in der Art der Rechtsbeziehung. Das BGB gehört zum Privatrecht. Hier stehen sich die Bürger auf Augenhöhe gegenüber. Man nennt dies das Prinzip der Gleichordnung. Wenn Sie beispielsweise einen Kaufvertrag abschließen oder eine Wohnung mieten, regelt das BGB, welche Rechte und Pflichten Sie und Ihr Vertragspartner haben. Es geht im BGB primär um den Ausgleich von Interessen und den Ersatz von Schäden (z. B. Schadensersatz gemäß § 823 BGB).
Das StGB hingegen gehört zum Öffentlichen Recht (speziell zum Strafrecht). Hier besteht ein Verhältnis der Über- und Unterordnung: Der Staat tritt dem Bürger gegenüber. Wenn jemand eine Straftat begeht (z. B. Diebstahl oder Körperverletzung), greift der Staat ein, um die Tat zu sühnen und die Rechtsordnung zu schützen. Hier geht es nicht um einen Vertrag, sondern um Strafe (Geldstrafe oder Freiheitsstrafe).
Warum sind die anderen Antworten falsch?
- Antwort A: Das StGB gilt für alle Menschen (natürliche Personen), nicht nur für Firmen. Tatsächlich können Firmen im strafrechtlichen Sinne gar nicht „eingesperrt“ werden, bestraft werden immer die handelnden Personen.
- Antwort C: Schadensersatz ist eine typische Regelung des BGB (z. B. §§ 249 ff. BGB). Das StGB regelt die Bestrafung von Tätern, nicht primär die Wiedergutmachung des zivilen Schadens.
- Antwort D: Das BGB ist eines der umfangreichsten Gesetzbücher Deutschlands und besteht aus über 2.300 Paragrafen.
- Antwort E: Es gibt einen fundamentalen Unterschied: Privatrecht (BGB) vs. Öffentliches Recht (StGB).
- Antwort F: Sowohl das BGB als auch das StGB sind Bundesgesetze, die für ganz Deutschland einheitlich gelten. Es gibt hier keinen Unterschied zwischen Bundes- und Landesrecht.
Diese Lektion in der App durcharbeiten
Mit interaktiven Fragen, Fortschrittsanzeige und Prüfungssimulation. Basis-Zugang gratis.
Jetzt in der App lernenWeitere Lektionen in Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
Bereit, die §34a-Prüfung zu bestehen?
Basis-Zugang gratis. Einfach loslegen.
Jetzt starten