Was versteht man unter 'inkongruenter Kommunikation'?
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Richtige Antworten: B, D
In der Kommunikation im Sicherheitsgewerbe nach § 34a GewO (Gewerbeordnung) ist es von entscheidender Bedeutung, wie eine Nachricht beim Gegenüber ankommt. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen kongruenter und inkongruenter Kommunikation. Von 'inkongruenter Kommunikation' spricht man immer dann, wenn die verschiedenen Ebenen einer Nachricht nicht zusammenpassen. Eine Nachricht besteht nicht nur aus dem gesprochenen Wort (verbale Ebene), sondern auch aus der Körpersprache (nonverbale Ebene) wie Mimik und Gestik sowie dem Tonfall (paraverbale Ebene).
Wenn ein Sicherheitsmitarbeiter beispielsweise mit aggressivem Tonfall und geballten Fäusten sagt: „Ich bin ganz ruhig und möchte Ihnen nur helfen“, dann ist dies inkongruent. Die Worte sagen „Hilfe/Ruhe“, aber der Körper und die Stimme signalisieren „Angriff/Wut“. In der psychologischen Kommunikationstheorie (z.B. nach Paul Watzlawick oder Friedemann Schulz von Thun) führt dies zu Verwirrung und Misstrauen beim Empfänger. Im Dienst kann dies gefährliche Folgen haben: Eine geplante Deeskalation schlägt fehl, weil das Gegenüber die Drohung im Körper liest und nicht das freundliche Wort hört.
Rechtlich gesehen ist die Kommunikationsfähigkeit Teil der Sachkunde und der Zuverlässigkeit. Die Bewachungsverordnung (BewachV) und die DGUV Vorschrift 23 (Unfallverhütungsvorschrift Wach- und Sicherungsdienste) fordern ein professionelles Verhalten, um Konflikte nicht unnötig eskalieren zu lassen.
Warum sind die anderen Antworten falsch?
- Antwort A (Überzeugendes Auftreten) ist falsch, da dies gerade 'kongruente' Kommunikation erfordert – Worte und Körper müssen hierbei eine Einheit bilden.
- Antwort C (Ehrliche Kommunikation) ist falsch, da Inkongruenz oft unbewusst geschieht (z.B. durch Stress) und nichts mit der moralischen Absicht der Ehrlichkeit zu tun hat, sondern mit der technischen Übereinstimmung der Signale.
- Antwort E (Schweigen) ist zwar eine Form der Kommunikation („Man kann nicht nicht kommunizieren“), beschreibt aber nicht den spezifischen Widerspruch zwischen Kanälen.
- Antwort F (Fremdsprachen) bezieht sich auf die sprachliche Barriere, nicht auf die psychologische Übereinstimmung von Wort und Körper.
Zusammenfassend sind die Antworten B und D korrekt, da sie genau diesen Widerspruch zwischen dem Inhalt (Worte) und dem Ausdruck (Körpersprache/Tonfall) beschreiben. Besonders unter Stress (Distress) neigen Menschen zu inkongruentem Verhalten, weshalb Stressbewältigung für Sicherheitskräfte so wichtig ist.
