Sie bewerben sich bei einem neuen Sicherheitsdienst. Sie betreten den Raum mit einem Lächeln, gepflegter Kleidung und festem Händedruck. Welchen psychologischen Effekt nutzen Sie hier für sich?
Richtige Antwort: C
In dieser Situation nutzen Sie gezielt den sogenannten Ersten Eindruck, in der Psychologie auch als Primacy Effect (Vorrang-Effekt) bekannt. Dieser Effekt besagt, dass die ersten Informationen, die wir über eine Person erhalten, einen überproportional starken Einfluss auf das Gesamtbild haben, das wir uns von ihr machen. Im Sicherheitsgewerbe ist dieses Prinzip von entscheidender Bedeutung, da Sicherheitsmitarbeiter oft die „Visitenkarte“ eines Unternehmens oder eines Objekts sind.
Gemäß § 34a Gewerbeordnung (GewO) und der Bewachungsverordnung (BewachV) wird von Sicherheitspersonal nicht nur Sachkunde, sondern auch ein professionelles Auftreten verlangt. Ein Lächeln, gepflegte Kleidung und ein fester Händedruck senden positive nonverbale Signale. Die Kommunikationspsychologie (z. B. nach dem Eisbergmodell) lehrt uns, dass nur etwa 20 % einer Nachricht auf der Sachebene (was gesagt wird) und 80 % auf der Beziehungsebene (wie es ankommt) übertragen werden. Durch Ihr gepflegtes Äußeres beeinflussen Sie die Beziehungsebene positiv, noch bevor das eigentliche Gespräch beginnt. Dies kann auch zum sogenannten Halo-Effekt führen, bei dem ein positives Merkmal (gepflegtes Aussehen) dazu führt, dass der Gegenüber Ihnen fälschlicherweise auch in anderen Bereichen (z. B. Fachkompetenz oder Zuverlässigkeit) hohe Qualitäten zuschreibt.
Warum sind die anderen Antworten falsch?
- A (Placebo-Effekt): Dies beschreibt die positive Wirkung eines Scheinmedikaments ohne Wirkstoff in der Medizin. Es hat nichts mit der psychologischen Wirkung des Auftretens zu tun.
- B (Jo-Jo-Effekt): Dieser Begriff stammt aus der Ernährungswissenschaft und beschreibt die schnelle Gewichtszunahme nach einer Diät.
- D (Selektive Wahrnehmung): Hierbei filtert das Gehirn Informationen so, dass sie in das eigene Weltbild passen. Das ist zwar ein psychologischer Prozess, beschreibt aber nicht gezielt die Macht des ersten Augenblicks.
- E (Frustrations-Toleranz): Dies ist die Fähigkeit, Enttäuschungen oder Stress auszuhalten, ohne aggressiv zu werden oder aufzugeben. Dies ist zwar wichtig für den Beruf nach § 34a GewO, erklärt aber nicht den Effekt des ersten Eindrucks.
- F (Domino-Effekt): Dies beschreibt eine Kettenreaktion, bei der ein Ereignis eine Reihe weiterer Ereignisse auslöst.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein professioneller erster Eindruck die Basis für eine erfolgreiche Kommunikation und Deeskalation bildet, was im Umgang mit Menschen (Modul 7) eine Kernkompetenz darstellt. Auch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) spielt hier indirekt eine Rolle, da ein professionelles Auftreten Vorurteile abbauen kann, die sonst zu Diskriminierung führen könnten.
