Wovon geht die Gefahr beim "Verteidigungsnotstand" (§ 228 BGB) aus?
Richtige Antwort: D
Der Verteidigungsnotstand (auch defensiver Notstand genannt) nach § 228 BGB ist eine wichtige Rechtfertigungsgrundlage im Sicherheitsgewerbe. Er regelt Situationen, in denen eine Gefahr direkt von einer fremden Sache oder einem Tier ausgeht.
Die Kernpunkte des § 228 BGB sind:
1. Gefahr durch eine Sache/Tier: Die Bedrohung muss von dem Gegenstand oder dem Tier selbst kommen (z. B. ein Hund, der zubeißen will, oder ein morscher Ast, der herabzufallen droht). Gemäß § 90a BGB werden Tiere rechtlich wie Sachen behandelt.
2. Einwirkung auf diese Sache: Man darf genau die Sache beschädigen oder zerstören, von der die Gefahr ausgeht. Wenn Sie also den angreifenden Hund abwehren, handeln Sie nach § 228 BGB.
3. Verhältnismäßigkeit: Der Schaden, den Sie an der Sache anrichten, darf nicht außer Verhältnis zur Gefahr stehen. Das Gesetz ist hier sehr großzügig: Sie dürfen eine teure Sache zerstören, um ein weniger wertvolles Gut (oder Ihre Gesundheit) zu schützen, solange es nicht völlig absurd ist (z. B. eine Millionen-Vase zertrümmern, um einen 5-Euro-Schein zu retten).
Warum sind die anderen Antworten falsch?
- Antwort A: Innere Unruhe ist ein psychischer Zustand und keine rechtliche Grundlage für eine Sachbeschädigung.
- Antwort B: Bei einem Defekt im *eigenen* Auto liegt keine Einwirkung auf eine *fremde* Sache vor. Zudem ist die Selbsthilfe hier anders geregelt.
- Antwort C: Naturgewalten wie Sturm oder Hochwasser sind allgemeine Gefahren. Wenn Sie zur Rettung vor einem Sturm in ein fremdes Haus einbrechen, wäre das eher der aggressive Notstand nach § 904 BGB, da das Haus selbst nicht die Gefahrenquelle ist.
- Antwort E: Wenn die Gefahr von einem Menschen ausgeht, handelt es sich um einen Angriff. Hier greift die Notwehr gemäß § 227 BGB (oder § 32 StGB), nicht der Notstand.
