Sie sperren einen Jugendlichen in den Putzraum, weil er frech war. Er hat nichts gestohlen. Welche Straftat begehen Sie?
Richtige Antwort: C
In diesem Fall begehen Sie eine Freiheitsberaubung gemäß § 239 StGB.
Das Gesetz schützt die Fortbewegungsfreiheit jedes Menschen. Wer einen anderen Menschen einsperrt oder auf andere Weise daran hindert, seinen Aufenthaltsort zu verlassen, macht sich strafbar. Da der Jugendliche lediglich „frech“ war, liegt kein Rechtfertigungsgrund vor, der Ihr Handeln legalisieren würde:
1. Keine vorläufige Festnahme (§ 127 StPO): Dieses Recht hätten Sie nur, wenn der Jugendliche bei einer frischen Straftat (z. B. Diebstahl) ertappt worden wäre. „Frech sein“ ist keine Straftat.
2. Keine Notwehr (§ 32 StGB / § 227 BGB): Notwehr setzt einen gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriff voraus. Eine bloße Unhöflichkeit ist kein Angriff auf ein rechtlich geschütztes Gut.
3. Keine Selbsthilfe des Besitzers (§ 859 BGB): Als Besitzdiener (§ 855 BGB) dürfen Sie zwar das Hausrecht ausüben und verbotene Eigenmacht abwehren, aber das Einsperren zur „Erziehung“ oder Strafe ist davon nicht gedeckt.
Warum sind die anderen Antworten falsch?
- Nötigung (§ 240 StGB): Zwar ist jede Freiheitsberaubung auch eine Form der Nötigung, aber § 239 StGB ist das speziellere Gesetz (Lex Specialis) für das Einsperren.
- Körperverletzung (§ 223 StGB): Das Einsperren allein verletzt nicht zwangsläufig die körperliche Integrität, es sei denn, es entstehen psychische oder physische Schäden.
- Diebstahl (§ 242 StGB): Hier wurde keine fremde bewegliche Sache entwendet.
- Hausfriedensbruch (§ 123 StGB): Dies würde voraussetzen, dass Sie unbefugt in einen geschützten Raum eindringen. Da Sie als Sicherheitskraft das Hausrecht ausüben, können Sie gegenüber Dritten keinen Hausfriedensbruch begehen, solange Sie im Rahmen Ihres Dienstes handeln.
- Keine, das ist Erziehung: Sicherheitsmitarbeiter haben keinerlei Erziehungsberechtigung oder Strafgewalt. Solches Handeln führt zum Verlust der Zuverlässigkeit nach § 34a GewO.
