Sie haben einen Randalierer vorläufig festgenommen (§ 127 StPO). Die Polizei trifft ein und übernimmt den Täter. Was müssen Sie jetzt tun?
Richtige Antwort: B
Wenn Sie jemanden vorläufig festgenommen haben, sei es nach der Jedermann-Festnahme (§ 127 Abs. 1 StPO) bei einer Straftat oder im Rahmen der Allgemeinen Selbsthilfe (§ 229 BGB) zur Sicherung zivilrechtlicher Ansprüche, ist der Zweck dieser Maßnahme die Sicherung der Person bis zum Eintreffen staatlicher Hilfe. Sobald die Polizei (die sogenannte obrigkeitliche Hilfe) am Einsatzort eintrifft, endet Ihre private Befugnis zur Festhaltung unmittelbar.
Warum ist Antwort B richtig?
Das Gesetz erlaubt Privaten nur in Ausnahmesituationen, die Freiheit anderer einzuschränken. Diese Erlaubnis erlischt in dem Moment, in dem der Staat (die Polizei) seine Aufgabe wieder selbst wahrnehmen kann. Sie müssen den Täter daher unverzüglich übergeben. Jede weitere Verzögerung ohne rechtfertigenden Grund könnte den Tatbestand der Freiheitsberaubung (§ 239 StGB) erfüllen.
Warum sind die anderen Antworten falsch?
- Antwort A: Das Verhör (Vernehmung) ist eine hoheitliche Aufgabe der Polizei oder Staatsanwaltschaft. Als Sicherheitskraft haben Sie hierbei keine offizielle Funktion, es sei denn, Sie werden als Zeuge befragt.
- Antwort C: Das Schreiben eines Berichts ist Ihre interne Pflicht gegenüber Ihrem Arbeitgeber, rechtfertigt aber niemals das weitere Festhalten einer Person. Die Freiheit des Einzelnen (Art. 2 GG) wiegt schwerer als Ihre Dokumentationspflicht.
- Antwort D: Eine Durchsuchung zur Beweismittelsuche ist primär Aufgabe der Polizei. Eine Durchsuchung durch Sicherheitskräfte ist nur in engen Grenzen zur Eigensicherung (Suche nach Waffen) unmittelbar bei der Festnahme erlaubt, nicht mehr, wenn die Polizei bereits übernimmt.
- Antwort E: Der Transport und die damit verbundene Sicherung (Fesselung) liegen ab dem Eintreffen in der Verantwortung der Polizei.
- Antwort F: Sie haben kein Recht, eine Unterschrift als Bedingung für die Übergabe oder Freilassung zu erzwingen. Dies könnte als Nötigung (§ 240 StGB) gewertet werden.
