Ein Sicherheitsmitarbeiter reagiert auf die Beschwerde eines aufgebrachten Besuchers mit der Formulierung: 'Verstehe ich Sie richtig, dass Sie über die derzeitige Wartezeit verärgert sind?' Welches Element des aktiven Zuhörens wendet der Mitarbeiter hierbei primär an?
Richtige Antwort: B
In der Sicherheitsbranche ist die Kommunikation eines der wichtigsten Werkzeuge, um Konflikte bereits im Keim zu ersticken. Die vorliegende Frage bezieht sich auf eine spezifische Technik des aktiven Zuhörens (Aktives Zuhören), die im Rahmen der Sachkundeprüfung gemäß § 34a Gewerbeordnung (GewO) und der Bewachungsverordnung (BewachV) von zentraler Bedeutung ist. Wenn der Sicherheitsmitarbeiter fragt: „Verstehe ich Sie richtig, dass Sie über die derzeitige Wartezeit verärgert sind?“, nutzt er das sogenannte Paraphrasieren (Wiederholen mit eigenen Worten).
Beim Paraphrasieren gibt der Empfänger einer Nachricht das, was er sachlich und emotional verstanden hat, in seinen eigenen Worten wieder. Dies verfolgt mehrere Ziele: Erstens signalisiert es dem Gegenüber (hier dem aufgebrachten Besucher), dass er ernst genommen wird und man ihm aufmerksam zuhört. Zweitens dient es der Klärung von Missverständnissen. Drittens wirkt es deeskalierend, da der Besucher merkt, dass seine Emotionen (der Ärger) wahrgenommen wurden, ohne dass der Mitarbeiter diese sofort bewertet oder abblockt. Dies ist besonders wichtig im Hinblick auf das Eisbergmodell der Kommunikation, bei dem nur etwa 20 % der Kommunikation auf der Sachebene stattfinden, während 80 % auf der Beziehungsebene (Gefühle, Ängste, Wertschätzung) ablaufen.
Warum sind die anderen Antworten falsch?
- A (Bewertung der Kundenaussage): Eine Bewertung wäre ein Urteil wie „Das ist aber unhöflich von Ihnen“ oder „Ihre Beschwerde ist unbegründet“. Dies führt fast immer zur Eskalation, da sich der Kunde angegriffen fühlt. Im Sicherheitsdienst ist Neutralität oberstes Gebot.
- C (Einsatz einer Suggestivfrage): Eine Suggestivfrage würde dem Kunden eine Antwort in den Mund legen, z. B.: „Sie finden doch auch, dass wir hier gute Arbeit leisten, oder?“. Das wirkt manipulativ und ist das Gegenteil von echtem Verstehen.
- D (Rechtfertigung des eigenen Verhaltens): Sätze wie „Wir können nichts dafür, wir sind unterbesetzt“ sind Rechtfertigungen. Sie signalisieren dem Kunden, dass sein Problem dem Mitarbeiter egal ist und nur Ausreden gesucht werden. Dies verstößt gegen das Prinzip der Kundenorientierung.
- E (Direktive Gesprächsführung): Hierbei würde der Mitarbeiter das Gespräch streng lenken, z. B.: „Setzen Sie sich hin und warten Sie, bis Sie aufgerufen werden“. Dies provoziert bei aufgebrachten Personen oft Widerstand und Aggression, was rechtlich problematisch werden kann, wenn daraus eine körperliche Auseinandersetzung resultiert (§ 223 StGB Körperverletzung).
- F (Bagatellisierung des Kundenanliegens): Aussagen wie „Stellen Sie sich nicht so an, fünf Minuten sind doch nichts“ spielen das Problem herunter. Dies verletzt die Würde des Kunden und widerspricht dem professionellen Umgang mit Menschen.
Rechtlich gesehen ist die Deeskalation durch aktives Zuhören ein Mittel zur Eigensicherung. Ein besänftigter Besucher wird seltener handgreiflich, wodurch der Sicherheitsmitarbeiter gar nicht erst in die Verlegenheit kommt, Notrechte wie die Notwehr (§ 32 StGB / § 227 BGB) oder den Rechtfertigenden Notstand (§ 34 StGB / § 228 BGB) anwenden zu müssen. Professionelle Kommunikation schützt also nicht nur die Beziehung zum Kunden, sondern auch die rechtliche Integrität des Sicherheitsmitarbeiters.
Fortschritt speichern und gezielt weiterüben?
In der Lernplattform weiterlernen